Dr. Jens Nordalm






 


Dr. Jens Nordalm, Berlin

Geboren 1969 in Unna / Westfalen

Studium der Philosophie, der deutschen Literatur und Sprache und der Geschichte in Bonn, Freiburg und Edinburgh

Promotion im Fach Mittelalterliche und Neuere Geschichte bei Klaus Hildebrand an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent, Forschungsstipendiat und Lehrbeauftragter für Philosophie und Geschichte an der Universität Bonn, der Katholischen Universität Eichstätt und der Humboldt-Universität Berlin

Reden und Texte für Angela Merkel, dann im Bundespräsidialamt und im Bundesfinanzministerium

Publizistische Arbeiten u.a. für Welt, FAZ und ZEIT



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Heimat ohne Minister. Zur Neuauflage von Rudolf Borchardts Anthologie „Der Deutsche in der Landschaft” von 1927, in: Die Welt („Literarische Welt”), 14. April 2018, S. 28

Texte deutscher Wissenschaftler, Schriftsteller, Praktiker der verschiedensten Berufe über Gegenden der Welt aus dem Jahrhundert zwischen 1770 und 1870: „Der Deutsche in der Landschaft”. Zusammengestellt 1927 von einem Monarchisten und Republikgegner, der kurz darauf „Zugangsstellen” zu einem ihm brauchbar scheinenden Nationalsozialismus zu erkunden empfahl. Da ist das Bedürfnis nach Schublade eigentlich ausreichend befriedigt, und viele mögen hier schon abwinken. Aber es verhält sich anders. Unendlich viel tiefer verhält es sich.

https://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article175443517/Heimat-ohne-Minister.html


Das Unbehagen an der Soziologie, in: DIE ZEIT Nr. 15, 5. April 2018, S. 47

Zwei Texte haben mir in den letzten Wochen richtig schlechte Laune gemacht. Zwei große Feuilletonaufmacher, einer in der Süddeutschen Zeitung, einer in der ZEIT, beide von Soziologen. Dass es Soziologen waren, ist wichtig, denn die soziologische Perspektive war der eigentliche Grund für die Verstimmung. Ich will nicht für eine sozial-kulturelle Gruppe verhaftet werden und gleich auch für eine politische Haltung, die irgendwie kausal mit jenem typisierten Lebensentwurf verknüpft sein soll. Den Ausweg weist die Unterscheidung von Gesellschaftsbürger und Staatsbürger.

http://www.zeit.de/2018/15/gemeinwohl-soziologie-individuum-politische-stimmung-deutschland


Was rechts ist. Und was links ist, in: Die Welt, 13. Februar 2018, S. 2

Das Links-Rechts-Schema ist von gestern, hört man immer. Ist es das? Und wäre das wünschenswert? Und was gilt denn als die Alternative? Vor allem die „Mitte” – und am Ende stets eine neue Koalition von Union und SPD. Aber beides verwischt die Unterschiede, um die es immer noch und heute wieder geht. Und beides ist verantwortlich für eine sterile politische Debatte, in der sich alle aus dieser allzu breiten Mitte heraus warnend an der AfD abarbeiten. Deshalb: Ein Definitionsversuch, ein Rechts-Links-Kanon politischer Grundgefühle in 39 Thesen und in lockernder Absicht!

https://www.welt.de/debatte/article173481106/Politische-Alternativen-Was-wirklich-rechts-ist-Und-was-wirklich-links-ist.html


Liberale Idealisten, in: Die Welt, 16. Dezember 2017, S. 2

Gerade noch war der deutsche Liberalismus in seiner Parteigestalt in den bundespolitischen Raum zurückgekehrt und schien im Begriff, Gegenstand eines zwar scheuen, aber eben doch eines gewissen Interesses zu werden. Nach dem Rückzug aus den Jamaika-Sondierungen hat sich dieser zarte Stimmungswandel in weiten Teilen der diskutierenden Berliner Abendwelt wieder in die alte deutsche Liberalismus-Skepsis zurückverwandelt, und die neue liberale „Verantwortungslosigkeit“ verbindet sich zwanglos mit alten und jüngeren Vorbehalten. Zeit für eine Liberalismus-Verteidigung!

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article171615130/FDP-Bashing-Zeit-fuer-eine-Verteidigung-des-Liberalismus.html


„Minima Moralia” oder warum Kalifornien für Adorno die Hölle war, in: Die Welt („Literarische Welt”), 21. Oktober 2017

Dieser Folge kürzerer und längerer Reflexionen, geschrieben von 1944 bis 1947, erschienen 1951, hat man seither meist versucht zu entkommen: Ihrer Negativität, ihrer Verneinung der Möglichkeit von Leben und Dichten nach Auschwitz als Zeichen des Zustands der modernen Welt. Aber doch, unbedingt: Man setze sich dieser Negativität aus! Selten ging vom Deprimierenden so viel positive Energie aus. Und man reibt sich die Augen: Eines der ersten Gedichte nach Auschwitz schrieb – Adorno.

https://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article169890754/Minima-Moralia-oder-warum-Kalifornien-fuer-Adorno-die-Hoelle-war.html


Vom Unbehagen an der Demokratie, in: Rotary Magazin für Deutschland und Österreich 9 / 2017 (im Heft-Schwerpunkt „Zukunft der Demokratie”, mit weiteren Texten von Herfried Münkler, Jason Brennan und anderen)

Die im vergangenen Jahr noch allgegenwärtige Sorge um unsere politische Kultur im Fadenkreuz des Populismus scheint gegenwärtig einem erneuerten Stabilitätsgefühl zu weichen. Andererseits trifft man nach wie vor auf ein vielfältiges, anhaltendes und fundamentales Unbehagen in und an der realen Demokratie der deutschen Gegenwart. In deeskalierender Absicht wird hier die These vertreten: Unsere repräsentative Demokratie funktioniert – auf eine freilich ziemlich vertrackte Weise, die anzuerkennen zudem die Bereitschaft erfordert, von der eigenen Superkompetenz zu gegebener Zeit auch einmal abzusehen.

https://rotary.de/gesellschaft/vom-unbehagen-an-der-demokratie-a-11258.html


Zweimal Leitkultur – einmal mehr vom Verstand her geschrieben, einmal mehr vom biographischen Gefühl her:


„Leitkultur” – Das ungeliebte Problemwort, in: Rotary Magazin für Deutschland und Österreich 6 / 2017 (im Heft-Schwerpunkt „Tradition”, mit weiteren Texten von Ralf Fücks, Michael Stolleis und anderen)

Dass die Leitkultur-Debatte immer wiederkehrt, heißt auch, dass es um etwas zu gehen scheint – und zweitens, dass Beiträge zur Klärung des Begriffs und der Begriffe nach wie vor nötig sind. Um uns klar zu werden, ob der Begriff der „Leitkultur” die Antwort richtig benennt, müssen wir uns zuerst um die richtige Fassung der Frage bemühen. Was wir wissen wollen, ist doch: Was kann Integration heißen? Was kann den Zusammenhalt einer Gesellschaft von Menschen verschiedenster Herkunft begründen? Wie können wir das nennen, dessen Anerkennung durch jeden in Deutschland Lebenden wir fordern wollen? „Leitkultur” können wir es nicht nennen.

https://rotary.de/gesellschaft/das-ungeliebte-problemwort-a-10779.html


Und eine Selbstironisierung der gleichwohl vorhandenen Grundsympathie für das mit dem Wort verbundene Bedürfnis:


Leitkultur! Aber warum?, in: Die Welt, 3. Juni 2017, S. 2

Warum fangen wir das immer wieder an mit der Leitkultur? Was ist das tiefe Bedürfnis hinter und unter dem Wort? Offenbar doch die Sehnsucht nach einer weniger disparaten Gesellschaft – biographisch genährt durch die Erinnerung an eine solche. Durch die Erinnerung an die alte Bundesrepublik; an eine Zeit damit auch, in der die „Dritte” Welt der Ersten noch nicht nahe kam. Vermutlich sind wir, wenn wir die Debatte mit einer gewissen Grundsympathie führen oder begleiten, zwischen Abi 68 und Abi 88 und eher westdeutsch. Und vermutlich sind wir männlich.

https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article165215423/Leitkultur-Aber-warum.html


„Postfaktisch” – Ein Begriff von zweifelhaftem Wert, in: Rotary Magazin für Deutschland und Österreich 3 / 2017

Das war eine steile Karriere. Wenige Monate, nachdem man das Wort zum ersten Mal gehört hatte, war es von der Gesellschaft für deutsche Sprache bereits zum Wort des Jahres 2016 erklärt. Aber ist „postfaktisch” auch ein Wort, das uns den Zustand unserer politischen Kultur richtig deutet? Die Forderung nach Berücksichtigung der Komplexität aller politischen Fragen, nach Demut und Selbst-Relativierung, ist viel hilfreicher und klüger als die nach der gefälligsten Anerkennung von „Fakten“.

https://rotary.de/gesellschaft/ein-begriff-von-zweifelhaftem-wert-a-10385.html


Montesquieu hat recht. Warum uns Trump zu Verfassungspatrioten macht, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Februar 2017, S. 9

Unsere westlich-liberalen, gewaltenteiligen Verfassungen sind keine Schönwettertexte. Es sind echte politische Lebensversicherungen. Gar nicht schlecht, dass wir ihnen in der Amtszeit Donald Trumps einmal bei der Arbeit zusehen. Dann wissen wir besser, worauf genau wir stolz sein können.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/warum-uns-trump-zu-verfassungspatrioten-macht-14890667.html


Die Flugtherapie. Eine Ode an Nils Holgersson, in: Welt am Sonntag, 1. Januar 2017, S. 54

Wut, Verachtung und Selbstüberschätzung schwellen in unserer Zeit beängstigend an. Wo sollen die versöhnenden Kräfte herkommen, die wir so unübersehbar brauchen? Natürlich, auch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse müssen so sein, dass unsere westlichen Gesellschaften zusammenhalten. Aber es müssen sich eben auch die Gemüter beruhigen. Es braucht eine neue Milde. Wo soll sie herkommen? Neulich leuchtete sie aus einem Buch, für das heftige Begeisterung zu bekennen man in diesem Zusammenhang etwas Mut braucht: Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen!

https://www.welt.de/kultur/article160730747/Nils-Holgersson-kann-Europa-retten.html


Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Eine Lektüreempfehlung, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 764 (Januar 2013)

Historistische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat sich Begriffs- und Gedankenlosigkeit durchaus nicht vorzuwerfen. Sie entwickelt eine undogmatische Vielfalt der Erklärungen zwischen „idealistischen” und „materialistischen”, wobei letztere in diesem Jahrhundert der „sozialen Frage” nach vorn rücken. Sie urteilt differenziert über die immer neue Frage, ob Personen oder ob überindividuelle Strukturen das historische Geschehen bestimmen, wobei Urteile zugunsten der letzteren in diesem Jahrhundert Hegels wiederum durchaus überwiegen. Diese Geschichtsschreibung ist in ihren bedeutenden Hervorbringungen nicht enge politische Ereignisgeschichte, sondern weitgespannte Kultur- und Verfassungsgeschichte.


Unser Land. Ein Vorschlag zur Güte - Versuch einer Anleitung zu einem zufriedeneren Bürgerbewusstsein, in: Die Welt, 27. März 2012, S. 8

Ein hervorstechender Zug der deutschen Gesellschaft unserer Tage ist die staatsbürgerliche Übellaunigkeit. Eine große Verdrossenheit liegt über dem Land. In der Folge von Sozialstaatsreformen, Finanzkrisen und Infrastrukturentscheidungen geraten Wirtschaftsordnung und repräsentative Demokratie in die Defensive. In dieser Situation ein Vorschlag zur Güte - zur Güte unseres Landes.

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13948127/Unser-Land-Ein-Vorschlag-zur-Guete.html


Nur weiter im Text, Herr Professor!, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2008, S. 38

Nur im Höhenflug kommt eine Geschichte zustande. Ohne ein Problem und eine Fragestellung, die über die bloßen Geschehnisse emporheben, hat nie Geschichtsschreibung das an sich unverständliche Raum-Zeit-Chaos in eine lesbare gedankliche Ordnung gebracht. Alle Geschichtsschreibung ist Problemgeschichte. Deshalb kein seriös-professorales Zagen vor angeblich so besonders abgehobenen und so besonders subjektiven weltgeschichtlichen Entwürfen: Formuliert Eure Probleme, stellt Eure historischen Fragen an die heutige Weltlage, und schreibt!

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„Generationen” der Historiographiegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert? Einige Zweifel am Methodendiskurs in den Geschichtswissenschaften, in: Neue Zugänge zur Geschichte der Geschichtswissenschaft, hrsg. v. Jan Eckel u. Thomas Etzemüller, Göttingen 2007, S. 284–309

In der Historie geht der positivistische Gestus einer „Anwendung” von „Methoden” prinzipiell irre. Und auch praktisch gerät die verbreitete geschichtswissenschaftliche Methodenhuberei meist zur Karrikatur von Wissenschaft. Da wird mit viel theoretischem Tamtam das Rad neu erfunden und es werden Entdeckungen gemacht, die man auch ohne das mühsam bereitete „Instrumentarium” hätte machen können. Dem durch die Festlegungen des theoretischen Vorbaus verengten Blick entgeht gerade die Vielfalt der historisch wirkenden Kräfte. Das spezifische Bemühen des Historikers ist es nicht, sich Schablonen zurechtzuzimmern, sondern möglichst vielseitig „forschend zu verstehen” (J. G. Droysen).

„Hoch anzurechnen ist den Herausgebern schließlich, dass sie mit Jens Nordalm noch einem Advocatus Diaboli das Wort geben, der den ganzen 'Methodenüberschwang' zum Kuckuck wünscht ...” (FAZ, 22.12.2008)

„Mit dem Beitrag von Jens Nordalm kommt der Sammelband zu einem bemerkenswerten Abschluss. In pointierter, provokativer Manier kritisiert er den aktuellen 'Methodenüberschwang' in der deutschen Geschichtswissenschaft ...” (Archiv für Sozialgeschichte 48, 2008)

„Manchmal ist es aber notwendig, unzeitgemäße Betrachtungen anzustellen. Mutig tut dies Jens Nordalm ...” (Werner Paravicini, Die Wahrheit der Historiker, München 2010, S. 26)


Die Demokratie. Wir haben sie ja schon! Thomas Manns Bewegung zur Republik in den „Betrachtungen eines Unpolitischen”, in: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch 47 (2006), S. 253–276

Bisher sucht man ohne rechten Erfolg nach Momenten einer „Wandlung” Thomas Manns vom konservativen Unpolitischen zum Republikaner zwischen 1918 und 1922. Dieser Aufsatz zeigt, daß schon der riesige Essay der „Betrachtungen” jene Gedanken entwickelt, die Thomas Mann den Friedensschluß mit der Weimarer Republik ermöglichten.

„Die 'Betrachtungen' sind, obgleich sie laut das Gegenteil wollen, leise auf dem Weg zur Republik. Das pointiert Nordalm 2006 nicht zu Unrecht.” (Hermann Kurzke in seiner Neuedition der „Betrachtungen” 2009 im Rahmen der „Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe” der Werke Thomas Manns)

„'Die Demokratie. Wir haben sie ja schon!' – diese Feststellung der 'Betrachtungen' ist der Titel eines aufschlussreichen Aufsatzes, in dem der Historiker Jens Nordalm 2006 Thomas Manns 'Bewegung zur Republik' schon in den 'Betrachtungen' nachwies” (Süddeutsche Zeitung, 12.01.2010, in der Rezension der genannten Neuausgabe der "Betrachtungen")


Gegen die Allmacht der Obrigkeit. Die fruchtbare Tradition einer konservativen Staatsskepsis wird in Deutschland zu Unrecht verdrängt, in: Die Welt, 6. Dezember 2005, S. 27 und 29

Paul Kirchhofs Erscheinen auf der politischen Bühne im Jahre 2005 schien das Ende der jahrzehntelangen Verdrängung eines bestimmten Typs konservativer Staatsskepsis in Deutschland zu bedeuten. Diesem Denken galt die seit den 1950er Jahren immer zunehmende Verstrickung des Staates in die gesellschaftlichen Abläufe als das Grundübel der politischen Ordnung der Bundesrepublik. In den 60er Jahren setzten sich jedoch die gegnerischen Stimmen durch, die der ausdrücklichen Aufgabe der Unterscheidung von Staat und Gesellschaft und gleichzeitig einem forciert steuernden und planenden Staat das Wort redeten. Gegen den zeithistorischen Konsens einer allmählichen aber gründlichen „Liberalisierung” der alten Bundesrepublik liegt dem Essay die These zugrunde: In dieser zentralen Frage politischer Struktur und Kultur hat nie eine Liberalisierung Deutschlands stattgefunden.

http://www.welt.de/print-welt/article182414/Gegen-die-Allmacht-der-Obrigkeit.html


Jenseits von Verfallsklage und Renaissancejubel: Bürgerliches Leben in der Gegenwart, in: Vorgänge 170 (2005) (Themenheft: Rückkehr der Bürgerlichkeit), S. 87–93

Der Bürger, das Bürgertum, das Bürgerliche verschwinden weder, noch erfahren sie gerade eine Renaissance. Es gibt sie einfach seit dem 19. Jahrhundert in durchaus ähnlicher Weise. Das Auf und Ab der Diskurse und Diagnosen berührt die fortdauernde Existenz eines Menschentyps nicht, der sich den Willen nicht nehmen läßt, unter den Bedingungen der modernen Welt ein selbstgestaltetes und frei geordnetes Leben zu führen. Vierfach scheint der Sinn des Bürger-Begriffs in der schwelenden Debatte zu sein: Der „Bürger” als Staatsbürger, der „Bürger” als Akt einer Selbstzuschreibung emphatisch-elitärer Art, der „Bürger” als der vorherrschende soziale Typ, der „Bürger” als Projektion reformpolitischer Appelle. Der Essay versucht einen ruhigen Blick auf die Wirklichkeit des Bürgerlichen und auf seine vermuteten Gefährdungen.

„Das Schöne an diesem Heft ist, dass wir im Gewand theoretischer Reflexion eine Reihe kluger Bekenntnisse junger Intellektueller zur Bürgerlichkeit lesen - fern vom angestrengten Literatendünkel der Popfraktion. Der Historiker Jens Nordalm zeigt, wie viel bürgerlicher Lebensstil selbst unter ungesicherten materiellen Verhältnissen heute verbreitet ist ...” (Süddeutsche Zeitung, 28.12.2005)

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Der gegängelte Held. „Heroenkult” im 19. Jahrhundert am Beispiel Thomas Carlyles und Heinrich von Treitschkes, in: Historische Zeitschrift 276 (2003), S. 647–675

Carlyle und Treitschke verehren nicht bedingungslos die geniale Willkür großer historischer Persönlichkeiten, wie es ihnen vorgeworfen wird. Historisches Handeln ist im Werk der beiden Geschichtsschreiber – ganz im Stil dieses historistischen, hegelianischen Jahrhunderts – beschränkt und bestimmt von den Notwendigkeiten eines über den Einzelnen stehenden Geschichtsverlaufs, der menschlichem Tun präzise Aufgaben stellt. Der Held tut, was von „der Geschichte” verlangt ist.


Zur Abendland-Diskussion in der frühen Bundesrepublik, in: Blicke auf Europa. Kontinuität und Wandel, hrsg. v. Andreas Michler u. Waltraud Schreiber, Neuried 2003, S. 199–213

Vorgeschichte und Charakter der frühbundesrepublikanischen, katholischen und protestantischen Debatte um die historisch-politische Heilkraft des „christlichen Abendlandes” werden in einem Überblick erörtert. Die wichtige Frage dabei ist: Hat das Abendland-Denken die Deutschen nach Europa geführt, oder besteht seine historische Eigenart darin, der konservativen Demokratie-Skepsis der zwanziger und dreißiger Jahre noch einmal einen gewissen Wirkraum gegeben zu haben, bevor sie – diese Skepsis – von der politischen und gesellschaftlichen „Verwestlichung” und vom ökonomischen Erfolg der Bundesrepublik verdrängt wurde? Die versuchte Antwort: Die Abendland-Diskussionen kennzeichnet dieses eigentümliche Doppelgesicht; politisch heilsam Gewordenes und Zukunftsweisendes ist verwoben mit einem Denken von Staat und Gesellschaft, für das im Deutschland der frühen Bundesrepublik kein Raum mehr war noch sein konnte.


Thomas Manns „Unordnung und frühes Leid” (1925), Erich Marcks und Philipp II. von Spanien – Eine Beobachtung, in: Thomas Mann Jahrbuch 14 (2001), S. 225–232

Thomas Manns Weise des erzählerischen Umgangs mit persönlichen und literarischen Begegnungen ist als vertrackt bekannt. Ein neuer subtiler Fall wird in diesem Aufsatz aufgerollt. Der Historiker Erich Marcks als Person und einer seiner besonders gelungenen historischen Essays, der von 1893 über König Philipp II. von Spanien, haben höchst kunstvoll Eingang gefunden in Erzählstruktur, Motivik und Klang von Thomas Manns Erzählung.

„Jens Nordalm hat kürzlich gezeigt, daß der Geschichtsprofessor Cornelius in Thomas Manns Erzählung 'Unordnung und frühes Leid' von 1925 ein Porträt von Erich Marcks ist.” (FAZ, 15.06.2003)


Fichte und der „Geist von 1914”. Ein Beispiel politischer Wirkung philosophischer Ideen in Deutschland, in: Fichte-Studien 15 (1999), S. 211–232

Fichtes Philosophie der „Reden an die deutsche Nation” war von immenser Wichtigkeit für die nationalen deutschen Selbstdeutungen im späten Kaiserreich, im Weltkrieg und noch darüber hinaus. Der Aufsatz zeichnet die breite Fichte-Rezeption vor 1914 nach, verfolgt den dringlicher werdenden fichteanischen Ton im Krieg, beleuchtet als institutionelle Ausformung dieses Denkens die „Fichte-Gesellschaft von 1914” und fragt nach den politischen Ordnungsvorstellungen derjenigen, die sich Fichte als geistigen Führer erkoren.



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Historismus im 19. Jahrhundert. Geschichtsschreibung von Niebuhr bis Meinecke, Stuttgart 2006 (Reclam Universalbibliothek)

Der Historismus im besten Lichte; längere zusammenhängende Auszüge aus zehn bedeutenden historischen Werken; mit größerem Essay und einleitenden Texten; im Ganzen der Versuch einer Neufassung des Phänomens in seiner überragenden und andauernden Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft.

Rezension des Buches in der „Historischen Zeitschrift”: download (pdf)

„brillanter Einleitungsessay … gibt es gegenwärtig keine bessere Einführung in 'Begriff und Phänomen' des Historismus.”

Auszug aus dem Einleitungsessay: download (pdf)


Historismus und moderne Welt. Erich Marcks (1861–1938) in der deutschen Geschichtswissenschaft, Berlin 2003 (Duncker & Humblot)

Die Untersuchung gilt dem in seiner Generation einstmals als führend erachteten Historiker Erich Marcks. Es soll ein integrativer Ansatz der Erforschung historiographischer Oevres exemplarisch vorgeführt werden. Historie ist literarische Hervorbringung, sie hat wie Literatur eine wesentlich formale Seite und zeigt sich beeinflußt durch literarische Erzählverfahren; Historie ist aber zugleich Wissenschaft in einem disziplinären Entwicklungszusammenhang und sie ist Politik, die sich aus politischer Lebenspraxis und Zeitgenossenschaft speist. Des weiteren zielt die Studie auf eine grundsätzliche Verteidigung des Historismus gegen die Anwürfe seiner zahlreichen Verächter. Die im Irrationalismus-Vorwurf gipfelnden Gemeinplätze der Kritik werden im Angesicht der Texte und von einem geschichtstheoretisch-narrativistischen Standpunkt aus zurückgewiesen.

„excellent study” (Larry Eugene Jones, Cambridge University Press, 2016)

Besprechung des Buches in der „Historischen Zeitschrift”: download (pdf)

„Das Ganze stellt eine originäre Forschungsleistung von höchster Qualität dar. ... Hier bricht ein ganzes Gebäude von Vorurteilen und Fehlurteilen zusammen.”



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Gerechtigkeit in Europa. Ideengeschichtliche Rückblicke und politische Umblicke. Vortrag auf der Internationalen Konferenz „Gerechtigkeit in Europa”, Aachen 22.–24. Mai 2006

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jens.nordalm(at)web.de